10 Jahre FrauenForum – Jubiläumsveranstaltung im September 2026

Hoffnung auf Schulterschluss mit Männern
Frauenforum feiert 10-jähriges Bestehen im LŸZ in Siegen

Donnerstagabend in Siegen, eine volle Aula im Kulturhaus LŸZ. In der ersten Reihe Gäste wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und Landrat Andreas Müller (SPD). Auch Erika Denker, die vor 10 Jahren den Grundstein für das Frauenforum Siegen-Wittgenstein legte, ist zur Jubiläumsveranstaltung in Siegen gekommen.

Zehn Jahre Frauenforum

„Es macht glücklich, gemeinsam etwas zu erreichen“, erläutert Beate Schmies, eine von zwei Sprecherinnen des FrauenForums in ihrer Begrüßungsrede. Unterschiedliche Temperamente und unterschiedliche politische Einstellungen kämen für ein gemeinsames Ziel zusammen. „Das ist gelebte Demokratie.“ Im Saal gibt es Applaus für so viel Frauenpower.

Immer wieder besingt an diesem Abend Sängerin Ulrike Wesely mit spitzem Humor das „stärkere Geschlecht“, gibt Hoffnung und Mut für mehr starke, weibliche Persönlichkeiten und vermittelt die tiefe Sehnsucht für Gleichberechtigung und Frieden. Unterstützt wird sie dabei von Pianistin Eiko Takahashi.

Zur Jubiläumsveranstaltung hat sich das Netzwerk einem brisanten und aktuellen Thema gewidmet: „Gewalt an Frauen“. Damit einher geht der dringende Appell des Frauenforums an die anwesenden Politiker:innen: „Investieren Sie in präventive Maßnahmen.“ Wer gefährliche Entwicklungen erkenne, müsse weniger Schäden beheben, verstärkt Schmies in ihrer Rede die Aufforderung.

Anerkennung aus der Politik

Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, lobt die Vernetzung der Frauenverbände und betont ihre Wichtigkeit. Denn jeden dritten Tag werde eine Frau ermordet. Diese Zahlen bilden jedoch nur 5 Prozent der realistischen Zahlen ab, so eine Dunkelfeldstudie. „Das Anliegen des Frauenforums ist also drängender als je zuvor“, so Müller. Das Netzwerk verzettele sich nicht, bleibe mit Beharrlichkeit an einem wichtigen Thema dran. Das verdiene Respekt. „Über 20 Institution, die sich im Kreis Siegen-Wittgenstein zusammen getan haben und sich einsetzen, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit.“

Als Schirmherr des FrauenForums macht NRW-Innenminister Herbert Reul deutlich, dass vor allem das Gemeinschaftliche in unserer Gesellschaft wieder mehr Bedeutung brauche – und dass das Frauenforum eine wichtige Lücke schließe. 56.000 Frauen in NRW wurden 2023 Opfer häuslicher Gewalt, die Dunkelziffer dürfte höher sein. „Wird diese Gewalt nicht gestoppt, kann sie tödlich enden“, macht Reul deutlich. „Und dieses Problem müssen wir benennen, damit wir es Schritt für Schritt lösen können“. Schon im Kleinen könne jeder etwas tun: „Wenn jeder hinschaut, haben weniger weggeschaut.“ Zehn Jahre Frauenforum bedeute auch die Bereitschaft, zehn Jahre hinzuschauen, lobt Reul. „Sie geben Frauen eine Stimme, Sie schaffen Öffentlichkeit für Themen, die zu lange hinter verschlossenen Türen waren.“

Bedrückende Stille bei Podiumsdiskussion mit Opfer

„Ich gebe betroffenen Frauen eine Stimme“, sagt Frauenaktivistin Alice Westphal zu Beginn der Podiumsdiskussion zum Thema „Gewalt an Frauen“. Sie erzählt ihre ganz persönlichen Erlebnisse – beginnend in der Kindheit. Westphal ist mehrfach Opfer von häuslicher Gewalt geworden, hat auch sexuelle Übergriffe erleben müssen. Ihre Schicksalsgeschichte lässt das Publikum erstarren. Eine jede und ein jeder wird in diesem Moment im LŸZ tief geschluckt haben. Westphal macht mit ihrem Auftreten aber auch gleichzeitig Mut, Kraft zu entwickeln, aus dem Sog der Gewalt herauszukommen. Sie hat es mit starkem Willen und viel Sport mit inzwischen 70 Jahran ganz gut geschafft.

Hier schließt sich die Arbeit von Katharina Heinrich an. Sie ist Sozialarbeiterin bei Mädchen in Not e.V. in Kreuztal. Sie betreut Mädchen und Frauen von drei bis 27 Jahren. Die Fälle würden mehr, die Warteliste wäre lang – zu lang, um allen helfen zu können. Sie und ihr Team versuchen, die Betroffenen zu stärken, ihnen die Sicherheit zu geben, dass man wieder fühlen dürfe, auch wenn man traumatisch erlebt hat. Sicher ist aber, dass jede Gewalt die Mädchen und Frauen verändere. „Das, was passiert ist, bleibt“, erläutert Heinrich.

Kriminalkommissarin Susanne Otto kennt aus ihrer täglichen Arbeit der Kriminalprävention und dem Opferschutz sexualisierter Gewalt die Fälle, die zur Anzeige gebracht werden und sieht eine wichtige Entwicklung. „Wenn wir zu einem Streit gerufen werden und selbst, wenn die Frau rechtliche Schritte in der Konfliktsituation ablehnt, muss heute immer eine Anzeige erstattet werden. Die erstatten dann wir, als Polizei. Das war früher nicht so.“ Außerdem habe der Gesetzgeber neue Möglichkeiten geschaffen, Täter von Opfern länger fernzuhalten. Doch noch immer sei das Problem, dass viele Frauen nicht den Schritt wagen, sich zu trennen. „Wenn Frauen nicht das soziale Umfeld haben, aufgefangen zu werden, ist es schwer, diesen Schritt zu gehen.“ Eine Trennung bedeute oft ein weiteres Konfliktpotential. „Das macht Angst.“, so Otto.

Männer haben Angst

Angst im weitesten Sinne haben auch Männer. Angst davor, keine „echten Männer“ zu sein. So beschreibt es Daniel Schulte, Jungen- und Männerberater der KSD Olpe. „Ständig seine Männlichkeit beweisen zu müssen, macht Druck“, erläutert Schulte. Ein Mann sei eigentlich eine Konstruktion. „Jungen kriegen vielerorts noch immer die traditionelle Männlichkeit anerzogen.“ Oft führe eine Hilflosigkeit bei Männern zu Gewalt, erklärt Schulte weiter. Schultes Ausführungen sind nicht als Entschuldigung für Übergriffe zu verstehen. Es zeigt den Punkt auf, wo man ansetzen kann, um etwas zu verändern. Sein Beratungsangebot appelliert bei gewalttätigen und gewaltbereiten Männern an ihre Eigenverantwortung. Auch in dieser Beratungsstelle ist die Nachfrage groß, die Warteliste zu lang.

Gewalt an Frauen ist gesamtgesellschaftliches Problem

Ein Jubiläum in Siegen, dass jeden einzelnen in Deutschland angeht: Gewalt an Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem: Beratungsstellen, die keine Kapazitäten haben, soziale Strukturen, die Frauen spätestens zur Familiengründung in eine Abhängigkeiten drängen, Erwartungen an Männer, immer stark zu sein.

„Ich vermisse einen männlichen Schulterschluss“, sagt Alice Westphal. Es könne doch nicht sein, dass Männer nicht mit den Frauen laut werden. Erst dann könne sich etwas ändern. „Und wir als FrauenForum kämpfen dafür“, so Beate Schmies – der Ausblick in die Motivation für die nächsten zehn Jahre Frauenforum Siegen-Wittgenstein.

Beste Grüße,

Beate Schmies (Sprecherin FrauenForum SiWi)

Weitere Fotos der Veranstaltung, bereit gestellt von Tobias Arhelger.
Wir bedanken uns für die tollen Fotos.

tobias.arhelger.fotodesign – Instagram, https://www.tobiasarhelger.de/

Was Süßes zum Dessert:

von Gabriele Fleschenberg ;-))

   

Den Flyer zum Download finden Sie hier. 

Anmeldungen bitte an: frauenforum.siwi[at]gmx.de

Pressemitteilung:

  

Zum Download als PDF finden Sie die Pressemitteilung hier.


Sitzung des FrauenForums am 04.09.2025

Bilder: Olga Becker

 


2023 – Neues SprecherTeam beim FrauenForum

16.01.2023 Nach drei Jahren: Das Frauenforum Siegen-Wittgenstein bekommt ein neues Leitungsteam
Das Frauenforum Siegen-Wittgenstein, 2016 von damals 16 Frauenvereinen, Frauenverbänden, Fraueninitiativen und Gleichstellungsbeauftragten gegründet, hat ein neues Leitungsteam:
Zum Jahresbeginn haben Kerstin Tempel, Mütterzentrum Siegen, und Annette Dilling, ZONTA Club Siegen Area, den Staffelstab von Gabriele Fleschenberg und Dr. Margrit Prohaska-Hoch übernommen – ganz im Sinne der Frauen, die in der Gründungsversammlung des Frauenforums festgelegt haben, dass die Leitungsteams regelmäßig wechseln sollen. „Gabriele Fleschenberg und Dr. Margrit Prohaska-Hoch haben das Netzwerk Frauenforum Siegen-Wittgenstein drei Jahre lang höchst erfolgreich geleitet und nicht nur durch die Pandemie gebracht, sondern es auch in dieser schwierigen Zeit weiterentwickelt, unter anderem wurden vier Bürgerfunksendungen mit dem WDR aufgenommen“, sagt Annette Dilling. Kerstin Tempel betont: „So bleibt das Forum lebendig und es können neue Ideen entwickelt werden. Gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern werden wir uns auch künftig dafür einsetzen, dass sich die Situation von Frauen und Mädchen auf allen Ebenen der Gesellschaft verbessert. Dafür sind wir unter anderem am Internationalen Frauentag, am Equal Pay Day, am Orange Day und am Internationalen Tag ‚Gegen weibliche Genitalbeschneidung‘ aktiv“.
Ein Leben in Würde für alle Frauen, die Teilhabe an Bildung, die Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen und Mädchen, Frauen stärken, ihre politische, gesellschaftliche und ökonomische Teilhabe fördern, Frauen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben zu unterstützen, das sind die gemeinsamen Anliegen der Mitglieder des Netzwerkes unter dem Leitsatz „Vernetzen – Stärken – Handeln“.
Inzwischen hat sich der ursprüngliche Kreis der Mitglieder des Frauenforums auf derzeit 24 deutlich erweitert. „Frauen und Frauenverbände, die die gemeinsamen Ziele unterstützen und voranbringen wollen, sind auch 2023 jederzeit herzlich willkommen“, darin sind sich Kerstin Tempel und Annette Dilling einig.
Es bleibt noch viel zu tun, bis die selbst gesetzten Ziele erreicht sind!
Kontakt: www.frauenforum-siegerland.de


Januar 2025 – Das FrauenForum hat ein neues Leitungsteam

Frauenforum Siegen-Wittgenstein: Neue Sprecherin

Beate Schmies (rechts), Vorstandsmitglied im Sozialdienst katholischer Frauen Siegen, ist seit Januar 2025 neu im Leitungsteam des Frauenforums Siegen-Wittgenstein. Sie folgt auf Annette Dilling (Mitte), Zonta Club Siegen Area, und führt das Frauen-Netzwerk nun zusammen mit Susanne Kern-Terheyden (links), Soroptimist International Club Siegen, die das Amt bereits seit einem Jahr ausfüllt.
Durch den umschichtigen Wechsel im Leitungsteam soll die Kontinuität der Arbeit des Frauenforums gesichert werden. Zugleich kommen frische Ideen und neue Schwerpunkte in die Arbeit des Netzwerks, das auch davon lebt, die Verantwortung auf wechselnde Schultern zu verteilen. Mit einem Blumenkörbchen und herzlichem Dank für ihr großes Engagement verabschiedete Susanne Kern-Terheyden Annette Dilling aus dem Leitungsteam und fügte an: „Ich freue mich, jetzt zusammen mit Beate Schmies die erfolgreiche Arbeit des Frauenforums Siegen-Wittgenstein weiterzuführen und das 10jährige Jubiläum des Netzwerks im Jahr 2026 vorzubereiten“.
Ein Leben in Würde für alle Frauen, Teilhabe an Bildung, Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen und Mädchen, Frauen stärken – ihre politische, gesellschaftliche und ökonomische Teilhabe fördern, Frauen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben unterstützen, das sind gemeinsame Anliegen der Mitglieder des Netzwerkes.
Das Frauenforum Siegen-Wittgenstein wurde 2016 von 16 Frauenvereinen, -Verbänden, Initiativen und Gleichstellungsbeauftragten gegründet. Weitere Mitglieder kamen dazu, um gemeinsam die große Stärke des Netzwerkes zu nutzen. Interessierte Frauen, die die gemeinsamen Ziele unterstützen wollen, sind jederzeit als Gäste willkommen. Informationen unter www.frauenforum-siegerland.de.